lunes, 17 de enero de 2011

Heiteres Berufe-Raten: Deutsch in Stellenanzeigen


Mit wohlklingenden, aber unverständlichen Berufsbezeichnungen um Mitarbeiter zu werben, ist auf dem Stellenmarkt üblich. Eine gewisse Rückbesinnung auf die deutsche Sprache ist zwar zu beobachten. Doch so ganz wollen sich viele Unternehmen nicht von den Anglizismen trennen.

Heiteres Beruferaten – das gab es einst im deutschen Fernsehen. Über 30 Jahre moderierte Robert Lembke die Sendung mit den berühmten „Schweinderln“. Nach seinem Tod führten mehrere Nachfolger das Quiz weiter, bis das Format 2005 schließlich abgesetzt wurde. Vielleicht, weil man spätestens zu diesem Zeitpunkt zum Beruferaten gar keine TV-Sendung mit Moderator mehr brauchte. Ein Blick ins Internet oder in den Stellenteil der Tageszeitungen lieferte und liefert bis heute Ratestoff in Hülle und Fülle: Schicke Anzeigen werben um Customer Support Representa- tives, Front Office Manager, Field Operator und Business Analysts. Dem geneigten Leser stellt sich da schnell die Lembke-Frage: Was bin ich? Und: Kann ich mich mit meiner Gärtnerausbildung auf die Stelle als Plant Manager bewerben? Oder besser nicht?!

Als „einen Strudel, in dem man offenbar mitschwimmen mußte, um modern zu wirken“, hat Mark Leiblein, Inhaber der Münchener Namensagentur Namestorm den Schwall englischer Berufsbezeichnungen erlebt. Wer englisch inseriert, will zeigen: Wir sind am Puls der Zeit, wir sind ein international agierendes Unternehmen. Die neuen Titel dienen außerdem dazu, Tätigkeiten „aufzupolieren“. Statt einer (gewöhnlichen) Friseurin wird ein (flippiger) Hair Stylist (m/w) gesucht. Der (altbackene) Hausmeister sieht sich lieber als (jugendlich-dynamischer) Facility Manager. „Sobald eine Bezeichnung problematisch wird, versucht man sie durch eine Umbenennung aufzuwerten.

Englisch erscheint hier vielen als Ausweg“, beschreibt der Bamberger Sprachwissenschaftler Helmut Glück dieses Phänomen. Allerdings, so Glück, sei der erwünschte Effekt zumindest bei den Bessergebildeten inzwischen weitgehend verflogen. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise, der Beobachter ebenfalls einen Einfluß auf die Sprache zuschreiben. „Seit etwa zwei Jahren wird man mit einem Banker nicht mehr gerne gesehen“, formuliert es Glück vorsichtig.

Auch Namensexperte Mark Leiblein beobachtet bei seinen Kunden immer häufiger eine Einstellung, die er als „Rückbesinnung auf die Heimat“ beschreibt. Einige Auftraggeber haben ihn bereits darauf hingewiesen, daß der zu findende Name „gerne auch deutsch“ sein könne, andere forderten dies sogar ausdrücklich. Tatsächlich scheint in den deutschen Chefetagen die Sensibilität für den Gebrauch der Muttersprache wieder zu wachsen. Das macht sich auch bei der Werbung um Bewerber bemerkbar.

Statt der lange Zeit allgegenwärtigen Manager werden in den aktuellen Anzeigen auch Personalleiter, Betriebsleiter und Geschäftsführer gesucht. Neben Consultants sind auch die Berater wieder gefragt.

Dennoch: So richtig können viele Unternehmen von den Anglizismen nicht lassen, was nicht selten zu einem bizarren Sprachmischmasch führt: Medizinprodukteberater werden in einer ansonsten auf Deutsch formulierten Anzeige aufgefordert: „Join our mission“. Ein Head of Region Operations soll eine Hands-on-Mentalität mitbringen. Und besonders sprachbegabt sollte der angehende Finance Director Europe Industrial bei einem Hersteller von Vliesstoffen sein: „Gemeinsam mit seinen Standortcontrollern“ stellt er den „Forecast und das Gruppenreporting sicher“ und „optimiert das Working Capital Management“.

Nach Erfahrung von Michael Weideneder, Geschäftsführer des Internet-Portals stellenanzei- gen.de, sind es eher die größeren Unternehmen und die modernen Branchen wie die Informationstechnologie oder die Telekommunikation, die mit englischen Job- Titeln auf Bewerbesuche gehen. Die Beratung durch Weideneder und seine Mitarbeiter ist vor allem dann gefragt, wenn der Rücklauf auf eine Stellenanzeige nicht den Erwartungen des Unternehmens entspricht. Mit dem Kunden wird dann nach den Ursachen gesucht: Lag es an der Stelle selbst, die vielleicht extrem spezialisiert ist? Oder lag es an der Formulierung der Anzeige?

Für diesen Fall hat Weiden- eder konkrete Empfehlungen: „Eine erfolgversprechende Anzeige sollte klar zu verstehen und in korrekter deutscher Sprache verfaßt sein.“ Englische Ausdrücke und Fachsprache verwirren Interessenten hingegen eher, so seine Erfahrung. Vorschreiben kann und will er solche Regeln nicht: „Über die Sprache seines Inserats entscheidet der Kunde selbst“, so Weideneder. Gesetzliche Vorschriften wie etwa in Frankreich, wo ausschließlich in französischer Sprache geworben werden darf, gibt es bei uns nicht: „In Deutschland darf der Staat die Sprache nicht reglementieren“, sagt Helmut Glück. Sprache regle sich über den Gebrauch. „Es hilft nur das gute Vorbild.“ Ein großes Unternehmen etwa, das bewußt und ausschließlich auf Deutsch inseriert, könnte seiner Meinung nach gegebenenfalls eine Art Initialzündung auslösen.

Doch selbst wenn es diesen Vorreiter geben sollte: Eine komplette Rückkehr zu den ursprünglichen Bezeichnungen, zu Abteilungsleitern und Finanzbuchhaltern, erscheint angesichts der Sprachentwicklung unrealistisch. Ohnehin fände Mark Leiblein ein solches Wiederauflebenlassen alter Titel nicht attraktiv. Sein Vorschlag: Neue Wortzusammensetzungen kreieren, die gut klingen, verständlich sind und die Bewerber neugierig machen. Das würde ebenso für die alten Berufsbezeichnungen funktionieren wie für die neuen, die aus dem englischsprachigen Raum übernommen und nie eingedeutscht wurden.

Aber Leiblein weiß auch, daß dies ein mühseliger Prozeß ist, der einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte – Zeit, in der alle Arbeitsuchenden heiter weiter raten dürfen: Welches Schweinderl hätten’s denn gern ...?

von Nicole Pollakowsky
Sprachnachrichten des VDS


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