Mostrando entradas con la etiqueta Denglisch. Mostrar todas las entradas
Mostrando entradas con la etiqueta Denglisch. Mostrar todas las entradas

jueves, 6 de enero de 2011

Werbung: Geheime Botschaften

Von Monika Elias

„Quadratisch. Praktisch. Gut.“ Welches Produkt verbinden Sie mit diesem Spruch? Genau, Ritter-Sport-Schokolade. Manche Werbesprüche sind so gut, dass der Hörer oder Leser sofort das zugehörige Produkt vor Augen hat.


Andere Sprüche schaffen es bis in die Alltagssprache, wie Clausthalers „Nicht immer, aber immer öfter“. Und es gibt Sprüche, die teuren Werbefirmen in monatelanger Arbeit ausgeklügelt haben, aber die fast keiner versteht. Es handelt sich dabei in der Regel um englische Werbesprüche. 

Die Kölner Agentur Endmark GmbH hilft Firmen, markige Werbesprüche zur Produkteinführung zu entwickeln. Dabei testet sie vorher, wie die Sprüche auf ein Testpublikum wirken. Eher zufällig kam heraus, daß der Sinn von englischen Sprüchen, die zunehmend mehr Firmen wünschten, überhaupt nicht beim Testpublikum ankam. Daraufhin untersuchte Endmark im Jahre 2003 zum ersten Mal das Verständnis von englischen Werbesprüchen.

Insgesamt über 1000 Personen in Hamburg, Köln, Leipzig und München lasen und hörten englische Werbung, die sie sinngemäß übersetzen sollten. Das Ergebnis war verheerend: Die Mehrheit der Befragten verstand die Werbebotschaft kaum oder gar nicht. Den damaligen Werbespruch der Parfümeriekette Douglas "Come in and find out" übersetzten die Befragten mit „Komm herein und finde wieder hinaus“. Die ursprüngliche Einladung blieb auf der Strecke: „Kommen Sie herein und finden Sie heraus“.

Diese Fehlübersetzung zitierte die Presse inzwischen so oft, daß sich Come in and find out zu einem Schlagwort für Mißverständnisse durch englische Werbesprüche entwickelte. Douglas und andere Firmen änderten nach dieser Studie ihre Sprüche und warben wieder auf Deutsch. Trotzdem setzen weiterhin viele Unternehmen auf Englisch in der Werbung, manche Firmen wie der Autohersteller Ford wechselte sogar vom Deutschen in das Englische.

Endmark veröffentlichte deshalb 2006 und 2009 weitere Studien. Sie kamen jeweils zum glechen Ergebnis: Obwohl die Teilnehmer angaben, die Sprüche zu verstehen, übersetzten sie nicht im Sinne des Erfinders.

Bei dem Spruch Design Desire (Firma Braun) klaffte eine besonders große Lücke von 35 Prozent zwischen geglaubtem und tatsächlichem Verständnis. Kurioserweise übersetzte selbst die Firma Braun ihren Spruch nicht. Auf Endmarks Nachfrage erklärte Braun stattdessen: Die beabsichtigte Übersetzung von Design Desire sei eine „vertrauliche Information“. Arbeitet bei der Braun GmbH der Geheimdienst? Design Desire heißt in etwa „Verlangen nach Design“ oder auch „Gestalte Dein Verlangen“. Braun sollte von ihrer Texteragentur Geld zurückverlangen. Die Teilnehmer verstanden nämlich Designwüste, Designunglück oder Gestaltungsdesaster.


Ein weiteres Paradox ist, daß Hörer und Leser einen Werbespruch nicht verstanden, aber dennoch gut fanden. Dies erklärt Dr. Bernd M. Samland, Endmark-Geschäftsführer, mit dem „Popmusik-Effekt“. Der Hörer kann zum Beispiel englische Pop-Musik mögen, auch wenn er den Text nicht versteht. Im Gegensatz zur Werbung können dem Hörer nämlich die Melodie oder der Rhythmus eines Liedes gefallen, er kann dazu tanzen. Warum ein nicht verständlicher Satz in der Werbung Interesse weckt, ist nicht klar. Klar ist jedoch, daß Werbesprüche in der Muttersprache emotionaler wirken. 

Dies belegte unter anderem Isabell Kick anhand einer Studie für ihre Diplomarbeit. Sie maß den
Hautwiderstand von Teilnehmern, während sie deutsche und englische Werbesprüche hörten. Reaktionen zeigten sich vor allem bei deutschen Werbesprüchen.

Der Werbeexperte Armin Reins, Erfinder der einheitlichen Firmensprache, betont, daß gute Werbung mit einer einheitlichen charakteristischen Sprache der Firma Gefühle anspreche. Denglisch und
Anglizismen lassen Risse im einheitlichen Erscheinungsbild entstehen, und Gefühle entstehen durch die Muttersprache.

Doch warum wollen Firmen trotzdem weiterhin auf Englisch werben? Kritiker der Endmark-Studien bemängeln, daß Englisch nun einmal peppiger und einfallsreicher sei.

Was sich hinter diesen peppigen Sprüchen verbirgt, weiß Dr. Bernd M. Samland. Phantasielosigkeit und mangelnde Kreativität fallen weniger auf, wenn man sie englisch verpackt. Wenn ein Spruch nicht verstanden wird, bemerkt man die Einfallslosigkeit weniger. So verwenden Firmen einen Spruch, mit dem Jahre zuvor bereits eine andere Firma warb. 2003 wirbt TV-Hersteller Loewe mit Stimulate your senses, seit letztem Jahr wirbt Wrigley damit für ein Kaugummi.

Im besten Fall prägt sich Werbung so ein, daß sie noch nach Jahren mit dem Produkt verbunden werden kann. Gelungen ist dies zum Beispiel bei „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ (HB, seit 1984 keine Werbung mehr) oder „Nichts ist unmöglich“ (Toyota). Design Desire werden in 20 Jahren nur die Texter und Braun-GmbH-Mitarbeiter in Kronberg im Taunus kennen.

Quelle: Sprachnachrichten Nr. 46 des VDS


miércoles, 5 de enero de 2011

Werbung: Inhalte klar und sachlich darstellen

Gespräch der Sprachnachrichten 
mit Lothar Schmidt von der Firma Sinn Spezialuhren

SN: Herr Schmidt, warum haben Sie sich dafür entschieden, Werbung auf Deutsch zu machen? 

Schmidt: Ich sehe Deutsch als Werbemittel. Damit drücken wir Authentizität aus, was mein persönliches Anliegen ist. Dies kommt gut bei den Kunden an und deswegen verwenden wir konsequent weiter Deutsch. Seit 1994 bin ich verantwortlich für unse- ren Uhrenkatalog und seitdem verwende ich Deutsch in unserer Werbung. Und das mit großem Erfolg: Unser Uhrenkatalog gilt als der Beste in der Branche und auch wirtschaftlich profitieren wir von unserer guten Sprache.

Die Wirtschaftskrise konnte uns bisher nichts anhaben. Andere Uhrenhersteller hingegen haben Umsatzeinbrüche von 20 Prozent zu verzeichnen. Ich möchte die ganze Sache allerdings nicht so verbohrt sehen. Wenn Anglizismen eingedeutscht sind, verwende ich Sie auch.

SN: Wie reagieren Ihre Kunden auf Ihren Sprachgebrauch? 

Schmidt: Erfreut und dankbar. Wir haben Kunden, die bringen den Katalog wieder mit, weil sie ihn als zu wertvoll für ein kostenloses Werbebuch halten. Außerdem bekomme ich Dankesschreiben. Ich erkläre mir unseren Erfolg so: Wir machen um unsere Produkte keine große Show, sondern beeindrucken mit Qualität und Authentizität. Wir wollen unseren Kunden nichts mit bunten Bildern vorgaukeln, die gar keinen Bezug zum Produkt haben. Stattdessen informieren wir unsere Kunden sachlich über technische Details und bilden die Uhren in Originalgröße ab. Ich denke, daß dies auch zu unserer deutschen Tradition gehört: Inhalte klar und sachlich darzustellen.

SN: Und dies spiegelt ihre Sprache wider? 

Schmidt: Ganz genau. Denglische Werbung bedient das Motto „Mehr Schein als Sein“. Dem Kunden soll ein bestimmtes Image vorgespielt werden.Wir setzen jedoch auf Ehrlichkeit. Und deshalb verwenden wir eine sachliche und klare Sprache ohne Denglisch und unnötige Anglizismen.

SN: Ein Argument von Englischbefürwortern lautet, dass im Umgang mit internationalen Handels- und Geschäftspartnern nicht auf Englisch verzichtet werden kann. Was sagen Sie dazu?

Schmidt: Natürlich sind Englisch-Kenntnisse für die internationale Verständigung von Vorteil. Bei Verhandlungen ist bei uns aber immer ein Dolmetscher dabei, das geht doch gar nicht anders. Ich verstehe auch nicht, warum die deutsche Sprache hierzulande ohne Not aufgegeben wird. Nehmen wir doch mal diese englischen Berufsbezeichnungen wie Key Account Manager. Das versteht doch keiner.

Ich habe mir bei der letzten Messe einen Spaß daraus gemacht: Unter meiner Funktion Inhaber und Geschäftsführer stand die japanische Bezeichnung.

SN: Was halten Sie von Firmen, die mit englischen Werbesprüchen oder Markennamen auf sich aufmerksam machen wollen?

Schmidt: Ich finde das schade. Wenn ich mir zum Beispiel die Firma Audi anschaue, die einen einfachen Aluminiumrahmen „frame space“ nennt, finde ich das bedauernswert. Denn gerade Audi kennt doch die Vorzüge der deutschen Sprache in der Werbung. Im Ausland wirbt diese Firma mit „Vorsprung durch Technik“, womit sie zum Beispiel in England großen Erfolg hat.

Opel setzt hingegen konsequent auf Authentizität und behält Deutsch bei wie mit dem aktuellen Spruch „Wir leben Autos“. Das kommt im Ausland einfach gut an. Denn die deutsche Technik besitzt auf dem internationalen Markt ein sehr hohes Ansehen und Deutsch in der Werbung weist auf dieses Gütemerkmal hin.

Und für Erfindungen eignet sich die deutsche Sprache ebenfalls sehr gut. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht: Unsere Erfindungen wie „diapal“, ein Kunstwort aus Diamantpaletten, und „teginent“ setzen sich aus deutschen Begriffen zusammen, die mittlerweile etabliert sind und für Qualität aus Deutschland stehen.

SN: Sie haben Landesvertretungen in über 20 Ländern, u. a. in den USA, Singapur und Hongkong. Wie reagiert man dort auf deutsche Bezeichnungen?

Schmidt: Unsere Uhren sind konsequent deutsch beschriftet. Den Japanern habe ich zwar angeboten, die Wochentage auf Japanisch zu beschriften, aber das wollten die Japaner gar nicht.

SN: Was raten Sie Werbetextern in Deutschland? 

Schmidt: Authentizität zu wahren, im In- und Ausland die deutsche Sprache verwenden und vor allem mit Inhalten zu werben: Das bringt Erfolg.

Das Gespräch führte Monika Elias.

Quelle: Sprachnachrichten Nr. 46 des VDS